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E-Bike bei Kälte: ein Viertel weniger Reichweite

2. September 2026
E-Bike bei Kälte: ein Viertel weniger Reichweite

Reichweitenangaben entstehen bei mildem Wetter. Das steht selten dabei, macht aber einen

größeren Unterschied als die meisten erwarten. Wir haben in unseren Belegen nachgesehen, wo

dieselbe Quelle ein Rad bei zwei Temperaturen gemessen hat, und die Zahlen sind deutlicher,

als es die üblichen Faustregeln nahelegen.

Der sauberste Beleg: ein Rad, zwei Temperaturen

Ein französisches Fachmagazin hat den Tenways AGO T

zweimal gefahren. Gleiches Rad, gleicher Fahrer mit 100 Kilogramm, gleiche

Unterstützungsstufe. Der einzige Unterschied war das Wetter.

  • bei rund 17 Grad: 40 Kilometer
  • bei rund 6 Grad: 30 Kilometer

Das sind zehn Kilometer weniger, also ein Viertel der Strecke, allein durch elf Grad

Temperaturunterschied. Solche Messungen sind selten, weil normalerweise mehrere Dinge

gleichzeitig variieren. Hier nicht.

Zwei weitere Räder zeigen dasselbe Bild

Der Tenways CGO Compact kam bei 15 Grad auf

60 Kilometer. Dieselbe Unterstützungsstufe, aber bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt,

ergab in einem anderen Test 41 und 47 Kilometer. Das ist zwar kein Vergleich innerhalb

derselben Redaktion, deckt sich aber der Größenordnung nach.

Beim Tenways Longtail DUO stehen 73 Kilometer bei

15 Grad gegen 67 Kilometer bei 5 bis 7 Grad. Dieser Beleg ist der schwächste von dreien,

weil dabei zwei verschiedene Testräder gefahren wurden und das eine laut Redaktion besser

kalibriert war. Er widerspricht dem Bild aber nicht.

Die Herstellerangabe nennt die Temperatur nicht

Alle drei Räder werden mit bis zu 100 Kilometern beworben. Bei welchem Wetter dieser Wert

zustande kam, steht bei keinem dabei. Das ist keine Besonderheit dieses Herstellers, sondern

üblich: Reichweitenangaben entstehen unter günstigen Bedingungen, und Temperatur gehört

dazu, wird aber selten genannt.

Für dich heißt das: Die beworbene Zahl beschreibt bestenfalls einen milden Tag mit

niedriger Unterstützung. Der AGO T lag schon bei 17 Grad und maximaler Unterstützung bei

40 Kilometern, also 60 Prozent unter der Werbeangabe. Bei 6 Grad waren es 70 Prozent

darunter. Wer im Winter plant, sollte die Herstellerangabe deshalb nicht halbieren, sondern

dritteln.

Was das für einen Arbeitsweg bedeutet

Rechne es an deiner eigenen Strecke durch. Bei zwölf Kilometern pro Richtung, also

24 Kilometern am Tag, reicht der AGO T im Sommer knapp für zwei Tage ohne Laden. Im Winter

wird daraus eine einzige Fahrt mit wenig Reserve. Das ist kein Defekt, sondern der normale

Jahresgang — aber es ändert, wie oft du das Ladegerät brauchst.

Wer wenig Spielraum hat, kommt mit einer Stufe weniger Unterstützung weiter als mit jedem

Zubehör. Zwischen der höchsten und einer mittleren Stufe liegen bei den von uns

ausgewerteten Tests regelmäßig zwanzig bis dreißig Prozent Reichweite.

Warum die Kälte den Akku bremst

Ein Lithium-Ionen-Akku speichert Energie in einer chemischen Reaktion, und die läuft bei

Kälte langsamer ab. Der Innenwiderstand steigt, ein Teil der Energie wird als Wärme

verbraucht statt in Vortrieb umgesetzt. Dazu kommt: Die Anzeige rechnet mit der aktuell

verfügbaren Kapazität, deshalb fällt der Ladestand im Winter oft schneller als gewohnt.

Die gute Nachricht dabei: Der Verlust ist meistens vorübergehend. Ein Akku, der in der

Kälte weniger hergibt, hat nicht dauerhaft Kapazität verloren. Bei Zimmertemperatur liefert

er wieder das, was er soll. Dauerhaft schädlich wird es erst, wenn du einen kalten Akku

lädst, deshalb sollte er vor dem Anstecken auf Zimmertemperatur kommen.

Was du im Winter tun kannst

Den Akku drinnen lagern und erst kurz vor der Fahrt einsetzen bringt am meisten, weil ein

warm gestarteter Akku länger im günstigen Bereich bleibt. Bei Rädern mit fest verbautem Akku

hilft ein Neoprenüberzug etwas, aber deutlich weniger als das Herausnehmen.

Plane außerdem mit dem kalten Wert, nicht mit dem milden. Wenn dein Weg zur Arbeit im

Sommer bequem in eine Ladung passt, kann er im Januar knapp werden. Und lade nach der Fahrt

nicht sofort, sondern lass das Rad erst eine halbe Stunde stehen.

Was diese Zahlen nicht sagen

Drei Räder sind keine Studie, und alle drei stammen von einem Hersteller. Der

Temperatureffekt selbst ist Physik und gilt für jeden Lithium-Ionen-Akku, aber wie stark er

ausfällt, hängt an Zellchemie, Akkugröße und Dämmung. Ein großer Akku verliert prozentual oft

weniger, weil er sich im Betrieb selbst etwas erwärmt.

Außerdem kommt im Winter selten die Kälte allein: Gegenwind, nasse Straßen und schwerere

Kleidung ziehen zusätzlich Energie. Die zehn Kilometer aus dem AGO-T-Test sind also eher eine

Untergrenze für einen echten Wintertag als eine Obergrenze.

Alle genannten Werte stammen aus unabhängigen Tests, die wir bei den jeweiligen Modellen

mit Quelle und Zitat hinterlegt haben. Wie wir Reichweiten einordnen, steht in unserer

Methodik. Stand: 2. September 2026.

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