Ausom L1 E-Scooter im Test: Unboxing & Nachtfahrt 2026

Der Ausom L1 ist einer der spannendsten Budget-E-Scooter mit Straßenzulassung: großer Akku, Vollfederung, Scheibenbremsen – zu einem Preis, bei dem etablierte Marken oft nur die halbe Ausstattung liefern. Wir haben uns das Modell mit dem großen 20,8-Ah-Akku angesehen: vom Unboxing über die erste Fahrt im Dunkeln bis zu den Zahlen, die der Hersteller lieber klein druckt. Wie immer gilt bei uns: echte Werte statt Herstellerversprechen.
Unboxing: Was im Karton steckt
Schon beim Auspacken merkt man, in welcher Klasse der L1 spielt: Je nach Akkuvariante wiegt der Roller 28,4 bis 29,6 Kilogramm – das ist kein leichter Klapproller, sondern ein kleiner Brocken. Zu zweit tragen ist beim Anliefern keine schlechte Idee.
Im Karton liegen neben dem weitgehend vormontierten Scooter das Ladegerät, drei NFC-Schlüsselkarten zum Entsperren und das nötige Werkzeug. Der Aufbau beschränkt sich im Wesentlichen auf das Aufrichten und Fixieren der Lenkstange – nach wenigen Minuten steht der Roller. Der Lenker lässt sich in der Höhe verstellen (1.130 bis 1.330 mm), laut Hersteller passt der L1 damit für Fahrer von etwa 1,40 bis 2,00 m Körpergröße.
Technische Daten im Überblick
| Merkmal | Ausom L1 (ABE) |
|---|---|
| Motor | 500 W Nenndauerleistung, bis ca. 930 W Spitze, 29 Nm |
| Höchstgeschwindigkeit | 20 km/h (ABE-konform) |
| Akku | 48 V, wahlweise 15,6 Ah (ca. 749 Wh) oder 20,8 Ah (ca. 998 Wh) |
| Reichweite (Werbung) | bis zu 70–90 km |
| Reichweite (real, Tests) | ca. 50–74 km je nach Bedingungen |
| Gewicht | 28,4–29,6 kg je nach Akku |
| Zuladung | je nach Angabe 130–135 kg |
| Reifen | 10 × 2,75 Zoll, schlauchlos |
| Bremsen | Scheibenbremsen vorn + hinten, E-ABS |
| Federung | Schwingarm-Federung vorn und hinten, einstellbar |
| Extras | 4,5-Zoll-Display, NFC-Entsperrung + PIN, Blinker, Tempomat |
Preislich bewegten sich die beiden Akkuvarianten zuletzt je nach Aktion grob zwischen 500 und 620 Euro – für die gebotene Ausstattung eine Ansage. Aktuelle Preise und Alternativen findest du in unserem E-Scooter-Vergleich.
Erste Fahrt im Dunkeln: Wie gut ist das Licht?
Die erste Runde drehten wir bewusst nach Einbruch der Dunkelheit – denn genau da trennt sich bei günstigen Scootern die Spreu vom Weizen. Der L1 bringt ein komplettes 360-Grad-Lichtkonzept mit: LED-Scheinwerfer vorn, Rücklicht mit Bremslichtfunktion hinten, dazu Blinker an den Lenkerenden, die sich per gut erreichbarem Daumenschalter bedienen lassen.
In der beleuchteten Stadt reicht das völlig. Ehrlich muss man aber sagen: Der Scheinwerfer hat kein Fernlicht und leuchtet auf mittlere Distanz nicht ganz gleichmäßig aus – auf stockdunklen Feldwegen empfehlen wir eine zusätzliche Helm- oder Lenkerlampe. Und weil die Blinker nur an den Lenkerenden sitzen und es keine separaten Heckblinker gibt, sind sie von hinten je nach Sichtwinkel weniger auffällig. Handzeichen als Ergänzung schaden nachts also nicht.
Positiv fällt der sehr leise Motor auf: Bei Nachtfahrten durch Wohngebiete ist der L1 praktisch lautlos unterwegs.
Reichweite: Was von den 90 km übrig bleibt
Der Hersteller bewirbt die 20,8-Ah-Variante mit bis zu 90 km Reichweite. Wie üblich ist das ein Laborwert unter Idealbedingungen. Unabhängige Tests kamen auf deutlich bodenständigere Zahlen: Ein Messtest schaffte 74 km, ein anderer errechnete aus einem gemessenen Verbrauch von 19,4 Wh pro Kilometer rund 50 km. Die Wahrheit liegt – je nach Fahrergewicht, Temperatur, Strecke und Fahrmodus – irgendwo dazwischen. Wir kalkulieren im Alltag realistisch mit etwa 60–65 km.
Das ist immer noch stark: Für Pendler mit 10–15 km Arbeitsweg bedeutet das eine Ladung pro Arbeitswoche. Der Haken folgt beim Laden: Das mitgelieferte Ladegerät ist schwach (rund 89 W), eine Vollladung des großen Akkus dauert dadurch je nach Restladung 10 bis 14 Stunden. Über Nacht laden funktioniert – spontan „mal eben nachladen" nicht.
Fahrkomfort, Bremsen und Alltag
Die Kombination aus Schwingarm-Federung vorn und hinten plus 10-Zoll-Luftreifen (schlauchlos) filtert Kopfsteinpflaster, Risse und Kanten spürbar besser weg als bei den meisten ungefederten Stadtrollern. Die Federvorspannung lässt sich sogar einstellen; kleine, feine Unebenheiten reicht das Fahrwerk allerdings etwas ungefiltert durch.
Die Bremsanlage überzeugt: Scheibenbremsen an beiden Rädern plus elektronisches ABS sorgten im unabhängigen Messtest für einen kombinierten Bremsweg von gut 3 Metern aus Tempo 20 – ein sehr guter Wert. Der Motor zieht linear und unaufgeregt an; drei Fahrmodi (Eco, Sport, Race) regeln die Kraftentfaltung. Normale Stadtsteigungen packt der L1 auch mit schwereren Fahrern, an einem sehr steilen Schotterhang im Test (17 Grad) musste er allerdings passen – ein Offroad-Kletterer ist er trotz der Optik nicht.
Ehrliche Schwächen
- Ladezeit: 10–14 Stunden für den großen Akku sind die größte Schwäche des Pakets.
- Gewicht: Mit knapp 29 kg ist Tragen in den 3. Stock oder in die Bahn eine Strafarbeit.
- Klappmechanismus: Der doppelte Verschluss ist sicher, aber fummelig; zusammengeklappt misst der Roller noch 125 × 69 × 56 cm.
- Keine App, keine Rekuperation: Smart-Funktionen gibt es kaum – NFC-Karte und PIN-Sperre ersetzen keine echte Wegfahrsperre.
- Licht ohne Fernlicht: Für unbeleuchtete Strecken solltest du nachrüsten.
Recht: ABE, Kennzeichen und die Tuning-Frage
Der Ausom L1 wird in Deutschland als ABE-Version mit eKFV-Typgenehmigung verkauft und ist damit straßenlegal – vorausgesetzt, du klebst ein gültiges Versicherungskennzeichen an. Es gelten die üblichen Regeln: maximal 20 km/h, Mindestalter 14 Jahre, Radweg oder Fahrbahn statt Gehweg. Alle Details haben wir im Ratgeber E-Scooter-Gesetze zusammengefasst.
Und weil die Frage bei jedem kräftigen Scooter kommt: Ja, technisch steckt mit 930 W Spitzenleistung mehr im L1, als die 20 km/h vermuten lassen. Trotzdem gilt klipp und klar: Wer den Roller entdrosselt und öffentlich fährt, verliert die ABE und den Versicherungsschutz – und macht sich wegen Fahrens ohne Pflichtversicherung strafbar (§ 6 PflVG). Legal ist so etwas ausschließlich auf abgesperrtem Privatgelände. Warum sich das Risiko nie lohnt, erklären wir im Ratgeber Tuning & Recht.
Fazit: Für wen lohnt sich der Ausom L1?
Der Ausom L1 ist ein Reichweiten- und Komfort-Scooter zum Budget-Preis: viel Akku, gute Federung, starke Bremsen, komplette Beleuchtung – dafür schwer, langsam beim Laden und ohne Smart-Extras. Wer täglich pendelt, selten trägt und über Nacht laden kann, bekommt hier außergewöhnlich viel Substanz fürs Geld. Wer einen leichten Falt-Scooter für Bahn und Büro sucht, greift besser zu einem anderen Modell – Vorschläge dazu liefert unser Kaufberater.
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